Friedhof Père Lachaise
Wer an Paris denkt, wird sich vielleicht an den romantischen Ruf der Seinemetropole als Stadt der Liebe erinnern, doch auch das Andenken an die Toten hat hier einen sehr prominenten Platz. Neben den Katakomben ist es vor allem der Friedhof Père Lachaise, der Berühmtheit erlangt hat. Er ist eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Paris.
Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Paris neue Friedhöfe benötigt wurden, legte man sie erstmalig außerhalb von Kirchhöfen und Stadtgrenzen an. Père Lachaise wurde nach dem Beichtvater Ludwigs XIV., dem Jesuitenpater Francois d`Àix de la Chaise benannt. Dieser besaß im 17. Jahrhundert ein Landhaus samt einem Park, der später zum Friedhof umgewandelt wurde. Die erste Tote, ein fünfjähriges Mädchen, wurde am 21.Mai 1804 auf dem Père Lachaise beerdigt.
Es handelt sich bei der Anlage um den größten Friedhof der Stadt, der neoklassische Architekt Alexandre-Théodore Brongniart entwarf sowohl die weite Parklandschaft mit den großen Achsen als auch Grabmonumente. Der Friedhof lädt wegen seiner Schönheit und ruhigen Atmosphäre zu Spaziergängen ein, viele kommen aber auch, um ihren verstorbenen Helden oder Idolen nahe zu sein.
Auf Père Lachaise fanden eine Vielzahl berühmter Männer und Frauen ihre letzte Ruhe. Besucher könne sich einen Plan geben lassen und eine Reise in die Geschichte antreten. Der mittelalterliche Philosoph Pierre Abaelard (1079-1142) ist hier nachträglich mit seiner Geliebten, der Nonne Heloise (1101-1164), im vereinigt worden, nachdem den Liebenden von wütenden Verwandten das liebende Band mit äußerster Brutalität zerschnitten wurde.
Der Briefwechsel der beiden ist noch heute ein Stück Weltliteratur und ein ergreifendes Zeugnis menschlicher Leidenschaft.
Der große Schriftsteller Balzac liegt hier ebenso wie der Komponist Georges Bizet. Nicht nur junge Leute pilgern zu dem Grab Jim Morrisons, jenem legendenumwobenen Sänger der Doors, der sich nach Paris zurückzog, um Dichter zu werden.
Er starb 1971 im Alter von 27 Jahren an Herzversagen. Chopin, der jahrzehntelang in Paris lebte und sich doch in Heimweh nach seinem Heimatland Polen verzehrte, starb nach langem Siechtum 1849 und fand hier ebenso seine letzte Ruhe wie Maria Callas, an die ein symbolisches Urnengrab erinnert.
Der Friedhof ist jedoch auch Teil der bewegten politischen Geschichte von Frankreich, denn im Süden des Friedhofs wurden am 28. Mai 1871 147 Aufständische der Pariser Commune erschossen. Eine Gedenktafel erinnert an die gefallenen Communarden, die ihre freiheitlich-sozialistischen Vorstellungen nicht gegen die Bajonette der deutschen und französischen Regierungstruppen durchsetzen konnten.
Der auf einem Hügel gelegene Père Lachaise hat eine Fläche von 43 Hektar, wer den ganzen Friedhof umrunden will, muss Zeit und Kondition mitbringen - die Strecke beträgt mehr als 15 Kilometer! Diese Totenstadt mit ihren unzähligen Grabsteinen, Urnen und Monumenten beherbergt 1 Million Toter.
Ein Besuch dieser Pariser Besonderheit mit ihren stillen Alleen und Gassen ist sehr zu empfehlen, ob mit Plan über die Lage der berühmten Gräber in der Hand oder einfach als ziellos dahinwandernder Flaneur. Père Lachaise ist noch immer ein genutzter Friedhof, deswegen sollten Touristen bei ihren Erkundungen unbedingt Respekt vor den Trauernden wahren.
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